Sonntag, 28. Juli 2013

Knast...Ort der Wahrheit? Ort des NichtMehrWegLaufenKönnens...

Jetzt...es ist 1:30, schlägt gerade die Stunde der Wahrheit im Knast.
Wenn die Türen geschlossen sind und keine Geräusche mehr aus den anderen Hafträumen die Gefühle ablenken können, dann drängen Fragen brutal in lieb gewordene Verdrängungen.
Bis 23:00 mag man noch an den Plänen für „Nachher“ gefeilt haben, mag man die Kontakte des Hofganges ausgewertet haben, mag man gute Ideen für´s Punktesammeln gehabt haben, um demnächst als Vertrauenswürdig zu gelten.
Doch spätestens um 0:00 fällt das Kartengerüst und eine verborgene Träne weiß nicht wohin...

Auch wir Gutbürger hier draußen erkennen manchmal den Knast, der sich um unser gut gehütetes Leben aufbaut.
Es ist, als würden manche Türen zu echtem Leben verschlossen bleiben.
Es ist, als wäre man gefangen in unabänderlichen Abläufen.
Es ist, als würden Wächter nicht zulassen, dass wir das Haupttor durch schreiten, als freie Bürger des Lebens.
Doch das Leben ist möglich, wenn ich mich auf das größte Wagnis einlasse.
Wenn ich mich einlasse, bedingungslos zu lieben.
Wenn ich es wage, verschwenderisch großzügig beim Vergeben zu sein.
Wenn ich es wage, nichts nach zu tragen, statt dessen immer wieder neu zu hoffen.
Wenn ich das Beleidigtsein als Ballast erkannt habe.

Dann, nur dann gelingt das, worum Philosophen und Staatsmänner sich vergeblich bemühen – dann gelingt das Leben!

...sogar das Leben im Knast.

Gisela Henning

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